fuerg,photography
Image ©Fürg, Fotografie

In letzter Zeit gibt es vieles rund um Influencer Marketing zu lesen. Jeder hat dazu eine Meinung und immer öfter ist diese kritisch. Einige „Experten“ haben eine regelrechte Leidenschaft dafür entwickelt, über die Leistung von Influencern herzuziehen, sich darüber lustig zu machen, was sie veröffentlichen und wie sie arbeiten. Und ja, es gibt durchaus eine Menge Kritikpunkte, die man in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Influencern finden kann – diese liegen meist aber weniger bei den Influencern selbst, sondern oftmals bei den Unternehmen, die immer noch nicht gelernt haben, wie das Ganze wirklich funktioniert.

Das Manager Magazin hat jüngst ein Interview mit Caro Daur veröffentlicht und stellt dabei zur Schau, dass die Influencerin einige Fragen nicht beantworten wollte. Insbesondere jene, in denen es um Kennzeichnungspflichten, Honorare und den konkreten Kooperationsmodellen mit Unternehmen geht. Auch die W&V hat das gleich für einen Artikel genutzt und dazu sogar eine reisserische Überschrift gefunden, die reichlich Klicks generiert: „Manager Magazin“ knöpft sich Influencerin vor.

Das Interessante ist: Die meisten „Experten“, die über Influencer Marketing schreiben, haben es noch nie professionell betrieben. Es sind meist Marketing- oder Kommunikationsberater, die sich schwer damit tun, zu verstehen, dass es durchaus Ansätze gibt, bei denen die Zusammenarbeit mit Influencern wunderbar funktioniert – und zwar im Ergebnis.

Jetzt ist Influencer Marketing aber gerade in Deutschland noch recht unreif. Es steckt quasi in der Pubertät und muss endlich erwachsen werden. Hat man in den letzten Jahren immer wieder gehört, dass Influencer die Wunderwaffe für alle erdenklichen Einsatzzwecke sind, setzt langsam Ernüchterung ein. Selbstverständlich funktioniert es nicht immer, selbstverständlich ist nicht jeder Influencer perfekt, selbstverständlich geschehen eine Menge Fehler und natürlich muss man endlich mal einsehen, dass es nichts anderes als Werbung ist, die praktischerweise weniger Streuverluste hat, wenn man den richtigen Influencer mit der passenden Zielgruppe für eine Kooperation findet.

Kein Influencer hat eine Influencer-Ausbildung gemacht.

Es bringt uns nichts, wenn wir auf Influencern herumhacken, die Anfang 20 sind und in den letzten Jahren vor allem durch die Unprofessionalität der Unternehmen „versaut“ wurden. Ist doch klar, dass die ihre Posts nicht als Werbung kennzeichnen, wenn das bis vor ein paar Jahren von Unternehmen noch nicht erwünscht war. Verständlich, dass sie Honorare verlangen, weil sie gemerkt haben, dass ihre Reichweite etwas wert ist – für Anzeigen mit ähnlichen Reichweiten in relevanten Zielgruppen mit derart geringen Streuverlusten würden wir ebenso viel Geld bezahlen. Kein Influencer hat eine Influencer-Ausbildung gemacht, die wenigsten haben Journalismus oder etwas vergleichbares studiert oder gelernt. Woher sollen gerade die oft sehr jungen Beauty- und Fashion-Influencer wissen, wie sie sich perfekt zu verhalten haben und welche rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt?

Klar, Unwissenheit schützt nicht vor der Strafe. Aber mal ganz ehrlich: Letztlich haben die Unternehmen und vor allem deren Agenturen für die gegenwärtigen Zustände gesorgt. Sie alle haben sich wie verrückt auf die Reichweiten der Influencer gestürzt, wollten sie für sich nutzen – egal zu welchem Preis. Und sie haben davon profitiert, sie haben oft gute Ergebnisse erzielt – vor allem dann, wenn die Auswahl der Influencer die Richtige war und das Briefing gut durchdacht war.

Wir tun und alle keinen Gefallen damit, über Missstände herzuziehen und uns darüber lustig zu machen. Agenturen und Unternehmen müssen endlich klare Regeln definieren, müssen sich an grundsätzliche (rechtliche) Rahmenbedingungen halten und deren Einhaltung auch bei den Influencern einfordern. Nur dann wird es funktionieren.

Mal ehrlich: Niemand glaubt doch ernsthaft daran, dass wir jetzt auf einmal alle damit aufhören werden Influencer Marketing zu betreiben. Einfach so, nur weil wir gemerkt haben, dass es nicht die immer funktionierende Wunderwaffe ist? So ein Quatsch. Influencer werden in den nächsten Jahren noch eine sehr viel größere Rolle einnehmen. Wir müssen nur alle endlich etwas professioneller werden.

Hört endlich mal mit diesem Futterneid auf – das ist erbärmlich.

Und ob Caro Daur eine Million Jahresumsatz macht oder nicht, ist doch vollkommen irrelevant. Wenn es so ist, gönne ich es ihr. Es ist ja nicht so, dass sie Unternehmen oder Agenturen ausnimmt. Wären ihre Preise absurd hoch, würde sie wohl niemand bezahlen. Hört endlich mal mit diesem Futterneid auf – das ist erbärmlich.

Autor: Daniel Fürg

Original Artikel: Xing

Laden Sie mehr von Redaktion
Laden Sie mehr Bewertung

Schreibe einen Kommentar

Überprüfen Sie auch

Der Einfluss von Influencer Marketing im Employer Branding

Was sind eigentlich Influencer? Was ist Influencer Marketing? Und was hat es mit Influence…