Geschäftsmodell Influencerin: Caro Daur Superstar

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Caro Daur ist mit 1,1 Millionen Followern derzeit einer der größten deutschen Instagram-Stars. Die 22-Jährige aus Seevetal arbeitet für Marken wie Dior, Cartier, Tommy Hilfiger, Marc O’Polo, Wempe, macht Werbung für Calzedonia und lief etwa auf der Modenschau von Dolce & Gabbana im Januar als Mannequin. Ihr Umsatz: geschätzt 1 Million Euro pro Jahr. Jüngst erhielt sie den Influencer Award in der Kategorie „Travel“.

Doch so sehr Publicity und zur Schau gestellte Offenheit auch Daurs Geschäftsmodell tragen: Fragen zu Honoraren, gesponsorten Inhalten und ihren möglichen Problemen mit Kennzeichnungspflichten für Werbung wollte sie nicht beantworten.

Nachfolgend das von Daur autorisierte Interview, im Anschluss dann dokumentieren wir die Fragen, die Daur nicht beantworten wollte.

manager-magazin.de: Caro, ist der Alltag eines Instagram-Stars wirklich so leicht wie er aussieht?

Caro Daur: Nein, nicht wirklich. Morgen habe ich in der Früh beispielsweise zwei längere Meetings mit Marken, die mich kennenlernen wollen. Viele Firmen wollen erst einmal mit mir einige Gespräche führen und einen persönlichen Eindruck von mir bekommen, bevor es, wenn überhaupt, zu einer Zusammenarbeit kommt. Hinzu kommen jede Menge Events wie die Goldene Kamera, Fashionweeks und viele Interviewanfragen. Ich war vor kurzem bei Taff, Exklusiv, Brisant, Sat 1 Frühstücksfernsehen, was alles recht zeitaufwendig ist. Des Weiteren erhalte ich mittlerweile zwischen 100 und 200 Mails am Tag, diverse Anrufe und muss Flüge, Shuttles, Hotels organisieren et cetera.

mm.de: Klingt aber nicht übermäßig stressig.

Daur: Es wäre mal interessant, in Form einer Dokumentation begleitet zu werden. Für viele wirkt mein Alltag ja so, als würde ich nur Kaffee trinken und dabei immer hübsch aussehen. Aber mein Leben ist komplett durchorganisiert. Anfragen selektieren, Kooperationen auswählen, Verträge verhandeln, Logistik der Musterteile koordinieren, Interviews geben, Fotoshootings für Magazine planen, Postingtexte formulieren, Looks jeden Tag neu planen, nur immer die Jeans wird auf „Daur“ langweilig. Und last but not least die Leute immer via Instagramstory live mitnehmen und an meinem Leben teilhaben zu lassen. Ich mache das ja alles alleine, habe kein Management für alles.

mm.de: Du hast jetzt die Gelegenheit zum Pitch: Was genau machst Du? Und was machst Du besser als andere?

Daur: Alles, was zu mir passt und was ich mag. So kann ich meinen Content steuern. Das ist mir sehr wichtig. Ich lasse mir nichts andrehen.

mm.de: Aha, wenn Du zu einem Musikfestival fährst und dabei die Produkte einer Marke trägst, ist das der Content?

Daur: Ja, beim Coachella Festival in Kalifornien war ich mit einem der größten Onlineshops Amerikas vor Ort. Davon habe ich schon immer geträumt. Der Shop arbeitete sonst nur mit Persönlichkeiten wie Chiara Ferragni zusammen, also mit den größten internationalen Influencern. Ich war eine der ersten Deutschen, die mitkommen durfte. Das war eine große Ehre für mich.

mm.de: Was genau ist der Content, den Du da beisteuerst. Ein Hashtag zum jeweiligen Produkt?

Daur: Das kann man so nicht wirklich in Worte fassen. Ich verfolge keine Strategie. Ich versuche einfach bei all dem, was ich mache und poste, authentisch zu bleiben.

mm.de: Berätst Du die Firmen, die dich bezahlen?

Daur: Interessante Frage. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber in gewisser Weise ja. Viele können den Social-Media-Bereich nicht genau greifen, und ich kann viel darüber berichten, weil ich mich täglich damit beschäftige. Theoretisch könnte ich in dem Bereich auch als Speaker arbeiten. Das fände sogar auch super-interessant. Leider habe ich momentan aber einfach sehr wenig Zeit dafür.

mm.de: Wie bist Du zu dem Job gekommen?

Daur: Zufall, Disziplin, viel Arbeit und Networking.

mm.de: Was bedeutet Kreativität für Dich?

Daur: Mich jeden Tag wieder neu zu erfinden, Dinge auszuprobieren, meine Instagram-Stories spannend zu gestalten. Dabei involviere ich Familie und Freunde, aber auch viele Persönlichkeiten wie die Millenials bei der Dolce & Gabbana Show oder auch besondere Begegnungen wie mit Steffi Graf in Rio de Janeiro oder Gigi Hadid in New York.

mm.de: Aber was genau ist daran jetzt Dein Content? Sag das mal in einem Satz.

Daur: Das kann ich nicht, dafür ist es zu vielfältig. Es ist wie ein Tagebuch, in dem ich meine Follower mit durch meinen Alltag nehme. In meinen Instagram-Stories berichte ich auch live, damit möchte ich Leute inspirieren und entertainen. Der Content ist meine Persönlichkeit, der durch mein Umfeld und meine Tätigkeit geformt wird.

mm.de: Dein Tagebuch unterscheidet sich stark von dem einer normalen 22-Jährigen. Die tragen keine Taschen von Chanel und sind nicht heute in Mailand und morgen in einem schicken Hotel in Paris, wo schon Designer-Outfits auf dem Zimmer warten.

Daur: Klar, grundlegend unterscheidet sich mein Alltag von vielen Mädchen in meinem Alter. Aber das ist nun mein Job. Reisen und die tägliche Präsentation von Kleidung, auch Designeroutfits. Für die Fashionweeks habe ich vorab Fittings, wo ich die Looks zusammenstelle, trage und dann zurückgebe. Von den Hotels habe ich meist nicht viel, da die Tage durchgetaktet sind. Aber ich liebe, was ich tue. Auch wenn jeden Tag zu reisen bedeutet, dass es zu Flugausfällen kommt und man viel allein ist.

mm.de: Die meisten Deiner Fans sind zwischen 18 und 24, für die bist Du ein Idol. Bist Du Dir der Verantwortung bewusst?

Daur: Verantwortung ist ein großes Wort. Für mich ist es nach wie vor surreal, wenn Leute mich als Vorbild nehmen, oder jemand zu mir kommt und mir sagt, wie stark ich ihn beeinflusse. Ich sehe mich als normales Mädchen, lebe mein Leben nach bestem Wissen und Gewissen. Instagram ist wie jedes andere Medium eine Plattform, und ich nehme meine Fans gern durch mein Leben mit.

mm.de: Wie viele Posts machst Du am Tag?

Daur: Drei in etwa.

mm.de: Anders als in deinen täglichen Posts und Stories möchtest Du in diesem Interview keine Marken nennen. Gibt es nicht wenigstens eine Kooperation, zu der Du öffentlich stehen kannst?

Daur: Die Kosmetikfirma MAC hat mir einen Traum erfüllt – einen eigenen Lippenstift zu kreieren. Dazu kam es, weil ich bei einem Dinner neben den internationalen Leuten von MAC saß. Nicht ganz ernst gemeint sagte ich Ende letzten Jahres zu ihnen: „My biggest dream would be to create my own lipstick“. Das wurde wahr! Ich durfte nach Toronto in das MAC Lab fliegen, die Entwickler treffen und die Lippenstiftfarbe „Caro Daur“ kreieren.

mm.de: Für einige Kooperationen wirst Du harsch kritisiert, es heißt, Du hättest wenig Expertise, wärst kein professionelles Mannequin, als Du etwa auf der Schau für Dolce & Gabbana gelaufen bist. Gibt es auch Angebote von Marken, die Du ablehnst?

Daur: Viele. Eine Zusammenarbeit gehe ich nur mit den Marken ein, mit denen ich mich identifizieren kann. Ich möchte authentisch sein, ich poste nur die Dinge, die mir gefallen, die ich empfehlen möchte.

mm.de: Du postest auch sehr Privates wie deinen Beziehungsstatus. Warum?

Daur: Wie schon gesagt, stelle ich meinen Alltag bei Instagram wie ein Tagebuch dar. Mein Umfeld gehört dann auch dazu. Ich bin sehr offen und binde unter anderem auch meine Familie ein. Ich ziehe ich keine festen Grenzen, entscheide intuitiv.

mm.de: Hast Du Dich an den hohen Lebensstandard gewöhnt?

Daur: Ich wohne immer noch daheim und mein 15 Quadratmeter großes „Kinderzimmer“ erdet mich immer wieder sehr. Ich bin ein kostenbewusster Typ, habe schon früh Nachhilfe gegeben, gejobbt. Ich habe immer für mein Geld gearbeitet, und auch immer etwas beiseitegelegt. Natürlich gewöhnt man sich an Dinge. Mir ist aber auch bewusst, dass sich Umstände schnell ändern können.

mm.de: Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?

Daur: Ich lebe den Moment. Es ist momentan eine schnelllebige Entwicklung zu beobachten. Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal für Dolce & Gabbana auf den Laufsteg darf, hätte ich die Person wahrscheinlich für verrückt erklärt. Und nun? Wie soll ich sagen, was nächstes Jahr oder auch schon nächsten Monat passiert? Es bleibt spannend.

Autor: Bianca Lang
Originalartikel: Manager Magazin
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